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AERO40 II Testbericht: Der 1155 g schwere Laufradsatz mit Stahlspeichen

by LiNichole 18 Jul 2026 0 Comments

Vorwort: Das Dilemma des Gewichtsfanatikers

In der anspruchsvollen Welt der Rennradausrüstung gilt die Schwelle von „unter 1200 g“ als der Heilige Gral. Bislang musste man, um diese Werte bei einem Scheibenbremsen-Laufradsatz zu erreichen, auf exotische Carbon-Speichen zurückgreifen – Materialien, die oft ebenso zerbrechlich wie teuer sind. ICAN war in diesem Bereich jedoch schon immer so etwas wie ein Wegbereiter. Meine Geschichte mit der Marke reicht bis ins Jahr 2018 zurück, als ich mein „Nr. 3“-Rad auf Basis eines ihrer Rahmen zusammenbaute. Da ich ihre Entwicklung in den letzten sechs Jahren verfolgt habe, konnte ich miterleben, wie sie sich von einem preisgünstigen Geheimtipp zu einem echten Pionier im Bereich der Leistungsfähigkeit gewandelt haben. Ihr neuestes Produkt, der ICAN AERO40 II, stellt ein faszinierendes Paradoxon dar: ein Laufradsatz, der die 1200-g-Marke durchbricht und gleichzeitig auf die Zuverlässigkeit von Stahlspeichen setzt.

Dies ist das Originalvideo zum Testbericht des Cycle Walk-Kanals über den ICAN AERO40 II-Laufradsatz aus Japan.

Das 1155-g-Wunder: Stahlspeichen in einer Welt aus Carbon

Das technische Profil des AERO40 II ist, ganz offen gesagt, atemberaubend. Auf unserer Waage brachte das Vorderrad 526 g und das Hinterrad 629 g auf die Waage, was ein Gesamtsystemgewicht von nur 1155 g ergibt. Um das in die richtige Perspektive zu rücken: Diese Gewichtsklasse ist normalerweise ausschließlich proprietären Konstruktionen mit Carbon-Speichen vorbehalten, deren Wartung ein Albtraum ist.

Stattdessen verwendet ICAN 24 gerade gezogene Aero-Speichen aus Stahl (im Verhältnis 12:12 sowohl für das Vorder- als auch für das Hinterrad), um diesen Wert zu erreichen. Durch die Wahl von Stahl anstelle von Carbon haben sie der Zuverlässigkeit im „Alltagseinsatz“ und der Stoßfestigkeit Vorrang eingeräumt, ohne dabei die üblichen Gewichtsnachteile in Kauf nehmen zu müssen.

„Das Durchbrechen der 1200-g-Marke war bisher nur mit Carbon-Speichen möglich. Dies mit Stahlspeichen zu erreichen, ist eine beachtliche Leistung.“

Der „federnde“ Vorteil: Warum steifer nicht immer besser ist

Angesichts der jüngsten Fixierung der Branche auf seitliche Steifigkeit haben wir den Fahrkomfort oft zugunsten einer reinen Kraftübertragung geopfert. Bei meinen Testfahrten bot das AERO40 II eine erfrischende Abwechslung. Die Stahlspeichen sorgen für ein „zähes“ oder „federndes“ Fahrgefühl – eine besondere Art radialer Nachgiebigkeit, die hochfrequente Straßenvibrationen dämpft und die Ermüdung der Beine auf langen Strecken verringert.

Hier geht es nicht nur um Komfort, sondern um Effizienz für den „Alltagsfahrer“. Für diejenigen, die noch dabei sind, ihre Tritttechnik zu „erforschen“ oder zu verfeinern, sind diese Laufräder ein nachsichtiger Partner. Sie federn die momentanen Drehmomentspitzen im Tritt des Fahrers ab, anstatt ihnen mit ruckartiger Steifigkeit entgegenzuwirken. Wenn Sie noch keine perfekt gleichmäßige, motorähnliche Drehbewegung beherrschen, macht die Balance zwischen Quer- und Radialnachgiebigkeit dieser Laufräder sie zu einem weitaus ausgefeilteren Werkzeug als ein hypersteifes Rennradlaufrad.

Moderne Breite für die „Revolution der breiten Reifen“

Die AERO40 II wurde eindeutig für die „Revolution der breiten Reifen“ entwickelt. Die Felgen verfügen über eine Innenbreite von 23 mm und eine Außenbreite von 28 mm – ein Profil, das sich rasch zum Goldstandard für moderne Rennrad-Setups entwickelt.

Ein 28c-Reifen passt zwar perfekt, doch die 23-mm-Innenbreite ist so optimiert, dass sie auch 30c- und sogar 32c-Reifen aufnehmen kann, ohne dass der „Glühbirnen“-Effekt auftritt, der die Aerodynamik und das Handling beeinträchtigt. Dies macht den Laufradsatz zukunftssicher und ermöglicht es den Fahrern, die Vorteile des niedrigeren Reifendrucks und der erhöhten Traktion von Reifen mit großem Volumen zu nutzen, ohne Kompromisse bei der Schnittstelle zwischen Felge und Reifen eingehen zu müssen.

Unsichtbare Technik: CNC-„Fleischhobeln“

Das Gewicht des AERO40 II ist kein Zufall, sondern das Ergebnis dessen, was ich als „funktionale Kunst“ bezeichne. Wenn man sich den Kettenradhalter genau ansieht, erkennt man umfangreiche CNC-Bearbeitung – eine Technik, die die Japaner „Nikunuki“ oder „Fleischschaben“ nennen –, um jedes überflüssige Gramm Material zu entfernen. Dieses Maß an Handwerkskunst ist weit entfernt von den schweren, massiven Nabengehäusen von vor einigen Jahren.

Darüber hinaus hat ICAN großen Wert auf Wartungsfreundlichkeit gelegt. Im Gegensatz zu vielen „Boutique“-Laufrädern, die Spezialwerkzeuge und eine Einstellung der Nippel von innen erfordern, verfügt das AERO40 II über Außen-Nippel. Das bedeutet, dass das Laufrad problemlos von jedem Mechaniker vor Ort zentriert werden kann. Jeder Satz wird zudem mit einem individuellen Prüfbericht geliefert, der die spezifische Speichenspannung und Zentrierung detailliert aufführt, was diesen Laufrädern ein „maßgeschneidertes“ Gefühl verleiht, das ihren erschwinglichen Preis Lügen straft.

Fazit: Leistung zum Greifen nah

Das ICAN AERO40 II schlägt eine Brücke zwischen den Spezifikationen für Elite-Kletterer und den praktischen Anforderungen eines Alltagsfahrers. Es beweist eindrucksvoll, dass die hohen Kosten und Wartungsprobleme von Carbon-Speichen keine Voraussetzung mehr sind, um die 1100-g-Gewichtsklasse zu erreichen.

Nähern wir uns einem Punkt, an dem die marginalen Vorteile extrem teurer Carbon-Laufräder die Kosten nicht mehr rechtfertigen, insbesondere wenn sich ein gut konstruiertes Laufrad mit Stahlspeichen so gut anfühlt? Wenn Sie Wert auf ein federndes, fehlerverzeihendes Fahrgefühl und Gewichtsersparnisse der Weltklasse legen, ist die Widerstandsfähigkeit von Stahl kein Kompromiss mehr – sie ist die kluge Wahl.

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